“We speak of ‚inspiration‘, and the word should be taken literally. There really is inspiration and expiration of Being, action and passion so slightly discernible that it becomes impossible to distinguish between what sees and what is seen.” (M. Merleau-Ponty, Eye and Mind 1964)
Lilli Kuschel - Regie, Kamera und Montage
Marlene Heiß - Klavier und Soundkomposition
Julian Prégardien - Tenor
Sebastian Kienel - Ton und Mischung
Berlin 2024
Veröffentlichung im Sammelband „Nature and Landscape in Schubert’s Time““ der Kommission für Interdisziplinäre Schubert Forschung / Schubert Research Cente. Österreichische Akademie der Wissenschaften
„Und das All ein einziger Chor“ – Ein eco-kritischer Ansatz zu Schuberts/Schlegels „Abendröthe“
Marlene Heiß
Dieses Kapitel untersucht die Schnittstellen zwischen Ecocriticism, romantischer Naturphilosophie, Lyrik und Lied durch eine multiperspektivische Analyse von Friedrich Schlegels Zyklus „Abendröthe“ und Franz Schuberts gleichnamiger Vertonung des ersten Liedes („Tiefer sinket schon die Sonne“) D 690. Zunächst werden Schlüsselkonzepte des Ecocriticism skizziert – eines Forschungsfeldes, das untersucht, wie Kunst mit Natur und Umweltdenken in Wechselbeziehung steht –, bevor diese Ideen mit romantischen Naturphilosophien verknüpft werden. In diesem Zusammenhang beleuchtet die Studie den romantischen Pantheismus, eine Perspektive, die Schlegel tiefgreifend beeinflusste und die Natur als eine miteinander verbundene, spirituelle und dynamische Kraft darstellte. Diese kombinierte theoretische Perspektive wird anschließend auf „Abendröthe“ und Schuberts musikalische Interpretation des Textes angewendet, um zu untersuchen, wie ein eco-kritischer Ansatz unser Verständnis historischer Musikwerke vertiefen kann. Die Studie betont, wie die künstlerische Auseinandersetzung mit Musik und Lyrik ökologische Bedeutung offenbaren und neue Einblicke in die Beziehung zwischen Natur, Musik, Philosophie und menschlicher Wahrnehmung bieten kann.
Da die Studie im Bereich der künstlerischen Forschung angesiedelt ist, untersucht sie zudem das Zusammenspiel zwischen theoretischer und künstlerischer Reflexion und stellt dabei eine experimentelle Zusammenarbeit mit der Filmemacherin Lilli Kuschel vor. In einem Musikvideo wird Schuberts „Abendröthe“ in einem zeitgenössischen städtischen Umfeld neu interpretiert und wirft dabei Fragen nach der Verbundenheit von Mensch und Natur, von Städten und Pflanzen, nach Interaktion und Zuhören, nach Ruhe und Reaktion sowie letztlich nach dem Dialog zwischen dem 19. und dem 21. Jahrhundert auf.
Text des ersten Schlegel-Gedichts
In Lilli Kuschels Film „Abendröte“ wurde Bewegung, ein verbindender Atem, ein wechselseitiges Beobachten und ineinander verschränkte agencies zu zentralen filmischen Konzepten, welche das pulsierende moto perpetuo des Schubert-Liedes aufgreifen. Ein weiteres filmisches Motiv entwickelte sich in Form des Lichts, und - anders als in Schlegels Gedicht - standen die den Film dominierenden Pflanzen und Tiere nicht in Kontakt mit dem schwindenden Sonnenlicht, sondern mit elektrischem, also menschlichem Licht. Viele der Bilder wurden auf der Berliner „Radbahn“ gefilmt: Unter der der U1 zwischen Görlitzer Bahnhof und Kottbusser Tor wird eine Brachfläche neugestaltet, um qualitative Formen der Begegnung im öffentlichen Raum zu erproben. Die verschiedenen Pflanzenarten, die hier gepflanzt wurden und die an vielen Stellen im Film zu erleben sind, sollen eine besonders hohe Resilienz aufweisen.
Grundlage der Klangkomposition, die als zeitenübergreifender Prolog zum Lied fungiert, waren Interviews, die im August 24 in Berlin mit 12 verschiedenen Menschen im Alter von 29-68 Jahren geführt wurden. Niemand wusste im Vorfeld etwas über das Schubert-Lied oder das Schlegel-Gedicht. Die einzigen beiden Fragen lauteten „Was machst Du abends nach getaner Arbeit, um zur Ruhe zu kommen? Spielt Naturerleben dabei eine Rolle?"
Danke an: Frederic Rauscher, Desirée, Ilka Vierkant, Martin Gruber, Elena Bechter, Slava Kushkov, Olga, Paula Petersen, Michael Offermann, Birthe Bendixen, Alexandra Gottschlich, Thomas Schneider

Publication in the anthology „Nature and Landscape in Schubert’s Time“by the Schubert Research Center, Austrian Academy of Sciences
“Und das All ein einzig Chor” –
An Ecocritical Approach to Schubert/Schlegel’s Abendröthe
Marlene Heiß
This chapter explores the intersections of ecocriticism, Romantic nature philosophy, poetry, and song through a multiperspective analysis of Friedrich Schlegel’s cycle Abendröthe (Sunset) and Franz Schubert’s musical eponymous setting of the first song (“Tiefer sinket schon die Sonne”) D 690. It begins by outlining key concepts of ecocriticism, a field that examines how art engages with nature and environmental thinking, before linking these ideas to Romantic philosophies of nature. Within this context, the study highlights Romantic pantheism, a perspective that profoundly influenced Schlegel and framed nature as an interconnected, spiritual, and dynamic force. This combined theoretical lens is then applied to Abendröthe and Schubert’s musical interpretation of the text, exploring how an ecocritical approach can deepen our understanding of historical musical works. The study emphasizes how artistic engagement with music and poetry can reveal ecological significance and offer new insights into the relationship between nature, music, philosophy and human perception. Given that the study is positioned within the field of Artistic Research, it further examines the interplay between theoretical and artistic reflection, introducing an experimental collaboration with Berlin-based filmmaker Lilli Kuschel. Through a music video, Schubert’s Abendröthe is reimagined within a contemporary urban environment, raising questions about the interconnectedness of humans and nature, cities and plants, engaging and listening, repose and response, and, ultimately, the dialogue between the nineteenth century and the twenty-first.
Text of then first Schlegel-Poem
In Lilli Kuschel's film 'Abendröte' movement, a unifying breath, a coexistence, mutually observing and acting, became central filmic concepts, echoing the pulsating moto perpetuo of the Schubert song. Another filmic motif developed in the form of light, and unlike in Schlegel’s poem, the plants and animals dominating the film were not in contact with diminishing sunlight, but rather with electric light, that is, human light. Many of these images were filmed at a location in Berlin called the 'Radbahn'. Beneath the U1 between Görlitzer Bahnhof and Kottbusser Tor, a former wasteland is being transformed to create new and meaningful ways for people to connect in public space.The different plant species that were planted here are intended to be particularly resilient.
The sound composition, which acts as a cross-temporal prologue to the song, was based on interviews conducted in August 2024 in Berlin with 12 different people aged 29-68. Nobody knew anything about the Schubert song or the Schlegel poem beforehand. The only two questions were “What do you do in the evening after work to calm down? Does experiencing nature play a role in this?”
Thank you Frederic Rauscher, Desirée, Ilka Vierkant, Martin Gruber, Elena Bechter, Slava Kushkov, Olga, Paula Petersen, Michael Offermann, Birthe Bendixen, Alexandra Gottschlich, Thomas Schneider
“We speak of ‚inspiration‘, and the word should be taken literally. There really is inspiration and expiration of Being, action and passion so slightly discernible that it becomes impossible to distinguish between what sees and what is seen.” (M. Merleau-Ponty, Eye and Mind 1964)
Lilli Kuschel - Regie, Kamera und Montage
Marlene Heiß - Klavier und Soundkomposition
Julian Prégardien - Tenor
Sebastian Kienel - Ton und Mischung
Berlin 2024
Veröffentlichung im Sammelband „Nature and Landscape in Schubert’s Time““ der Kommission für Interdisziplinäre Schubert Forschung / Schubert Research Cente. Österreichische Akademie der Wissenschaften
„Und das All ein einziger Chor“ – Ein eco-kritischer Ansatz zu Schuberts/Schlegels „Abendröthe“
Marlene Heiß
Dieses Kapitel untersucht die Schnittstellen zwischen Ecocriticism, romantischer Naturphilosophie, Lyrik und Lied durch eine multiperspektivische Analyse von Friedrich Schlegels Zyklus „Abendröthe“ und Franz Schuberts gleichnamiger Vertonung des ersten Liedes („Tiefer sinket schon die Sonne“) D 690. Zunächst werden Schlüsselkonzepte des Ecocriticism skizziert – eines Forschungsfeldes, das untersucht, wie Kunst mit Natur und Umweltdenken in Wechselbeziehung steht –, bevor diese Ideen mit romantischen Naturphilosophien verknüpft werden. In diesem Zusammenhang beleuchtet die Studie den romantischen Pantheismus, eine Perspektive, die Schlegel tiefgreifend beeinflusste und die Natur als eine miteinander verbundene, spirituelle und dynamische Kraft darstellte. Diese kombinierte theoretische Perspektive wird anschließend auf „Abendröthe“ und Schuberts musikalische Interpretation des Textes angewendet, um zu untersuchen, wie ein eco-kritischer Ansatz unser Verständnis historischer Musikwerke vertiefen kann. Die Studie betont, wie die künstlerische Auseinandersetzung mit Musik und Lyrik ökologische Bedeutung offenbaren und neue Einblicke in die Beziehung zwischen Natur, Musik, Philosophie und menschlicher Wahrnehmung bieten kann.
Da die Studie im Bereich der künstlerischen Forschung angesiedelt ist, untersucht sie zudem das Zusammenspiel zwischen theoretischer und künstlerischer Reflexion und stellt dabei eine experimentelle Zusammenarbeit mit der Filmemacherin Lilli Kuschel vor. In einem Musikvideo wird Schuberts „Abendröthe“ in einem zeitgenössischen städtischen Umfeld neu interpretiert und wirft dabei Fragen nach der Verbundenheit von Mensch und Natur, von Städten und Pflanzen, nach Interaktion und Zuhören, nach Ruhe und Reaktion sowie letztlich nach dem Dialog zwischen dem 19. und dem 21. Jahrhundert auf.
Text des ersten Schlegel-Gedichts
In Lilli Kuschels Film „Abendröte“ wurde Bewegung, ein verbindender Atem, ein wechselseitiges Beobachten und ineinander verschränkte agencies zu zentralen filmischen Konzepten, welche das pulsierende moto perpetuo des Schubert-Liedes aufgreifen. Ein weiteres filmisches Motiv entwickelte sich in Form des Lichts, und - anders als in Schlegels Gedicht - standen die den Film dominierenden Pflanzen und Tiere nicht in Kontakt mit dem schwindenden Sonnenlicht, sondern mit elektrischem, also menschlichem Licht. Viele der Bilder wurden auf der Berliner „Radbahn“ gefilmt: Unter der der U1 zwischen Görlitzer Bahnhof und Kottbusser Tor wird eine Brachfläche neugestaltet, um qualitative Formen der Begegnung im öffentlichen Raum zu erproben. Die verschiedenen Pflanzenarten, die hier gepflanzt wurden und die an vielen Stellen im Film zu erleben sind, sollen eine besonders hohe Resilienz aufweisen.
Grundlage der Klangkomposition, die als zeitenübergreifender Prolog zum Lied fungiert, waren Interviews, die im August 24 in Berlin mit 12 verschiedenen Menschen im Alter von 29-68 Jahren geführt wurden. Niemand wusste im Vorfeld etwas über das Schubert-Lied oder das Schlegel-Gedicht. Die einzigen beiden Fragen lauteten „Was machst Du abends nach getaner Arbeit, um zur Ruhe zu kommen? Spielt Naturerleben dabei eine Rolle?"
Danke an: Frederic Rauscher, Desirée, Ilka Vierkant, Martin Gruber, Elena Bechter, Slava Kushkov, Olga, Paula Petersen, Michael Offermann, Birthe Bendixen, Alexandra Gottschlich, Thomas Schneider

Publication in the anthology „Nature and Landscape in Schubert’s Time“by the Schubert Research Center, Austrian Academy of Sciences
“Und das All ein einzig Chor” –
An Ecocritical Approach to Schubert/Schlegel’s Abendröthe
Marlene Heiß
This chapter explores the intersections of ecocriticism, Romantic nature philosophy, poetry, and song through a multiperspective analysis of Friedrich Schlegel’s cycle Abendröthe (Sunset) and Franz Schubert’s musical eponymous setting of the first song (“Tiefer sinket schon die Sonne”) D 690. It begins by outlining key concepts of ecocriticism, a field that examines how art engages with nature and environmental thinking, before linking these ideas to Romantic philosophies of nature. Within this context, the study highlights Romantic pantheism, a perspective that profoundly influenced Schlegel and framed nature as an interconnected, spiritual, and dynamic force. This combined theoretical lens is then applied to Abendröthe and Schubert’s musical interpretation of the text, exploring how an ecocritical approach can deepen our understanding of historical musical works. The study emphasizes how artistic engagement with music and poetry can reveal ecological significance and offer new insights into the relationship between nature, music, philosophy and human perception. Given that the study is positioned within the field of Artistic Research, it further examines the interplay between theoretical and artistic reflection, introducing an experimental collaboration with Berlin-based filmmaker Lilli Kuschel. Through a music video, Schubert’s Abendröthe is reimagined within a contemporary urban environment, raising questions about the interconnectedness of humans and nature, cities and plants, engaging and listening, repose and response, and, ultimately, the dialogue between the nineteenth century and the twenty-first.
Text of then first Schlegel-Poem
In Lilli Kuschel's film 'Abendröte' movement, a unifying breath, a coexistence, mutually observing and acting, became central filmic concepts, echoing the pulsating moto perpetuo of the Schubert song. Another filmic motif developed in the form of light, and unlike in Schlegel’s poem, the plants and animals dominating the film were not in contact with diminishing sunlight, but rather with electric light, that is, human light. Many of these images were filmed at a location in Berlin called the 'Radbahn'. Beneath the U1 between Görlitzer Bahnhof and Kottbusser Tor, a former wasteland is being transformed to create new and meaningful ways for people to connect in public space.The different plant species that were planted here are intended to be particularly resilient.
The sound composition, which acts as a cross-temporal prologue to the song, was based on interviews conducted in August 2024 in Berlin with 12 different people aged 29-68. Nobody knew anything about the Schubert song or the Schlegel poem beforehand. The only two questions were “What do you do in the evening after work to calm down? Does experiencing nature play a role in this?”
Thank you Frederic Rauscher, Desirée, Ilka Vierkant, Martin Gruber, Elena Bechter, Slava Kushkov, Olga, Paula Petersen, Michael Offermann, Birthe Bendixen, Alexandra Gottschlich, Thomas Schneider